Das brasilianische Parteiensystem war bereits vor 2018 eines der zersplittertesten der Welt, doch nach den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen 2018 ist das Parteiensystem noch volatiler. Einer der Gründe dafür ist, dass die Wahlen als Protest- und Anti-Establishment-Wahlen angesehen werden können.

Brasiliens Ungleichheitsniveau gehört nach wie vor zu den höchsten in der Welt, und niedrige Einkommens-, Vermögens- und Kapitalertragssteuern verschärfen die Ungleichheitslücke nur noch weiter. Die Wirtschaft selbst gewinnt jedoch nach einer tiefen Rezession in den Jahren 2015 und 2016 wieder an Boden, allerdings oft durch die Reduzierung von Umweltgesetzen und die Unterstützung des Agrarsektors.

Der neu gewählte Präsident Bolsonaro befürwortet nicht mehr den Konsens über die Demokratie als strategisches, langfristiges Ziel. Er hat mit illiberalen, frauen- und schwulenfeindlichen Äußerungen für Aufruhr gesorgt und die brasilianische Militärdiktatur verherrlicht, was die demokratische Kraft des Landes mindert.

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