Die politische Transformation Bulgariens war im Berichtszeitraum von anhaltender Instabilität, fragmentiertem Parteienwettbewerb und sinkendem öffentlichem Vertrauen geprägt. Wiederholte Neuwahlen führten zu instabilen Mehrheiten, während eine niedrige Wahlbeteiligung wachsende politische Ernüchterung widerspiegelte. Koalitionsregierungen entstanden aus strategischer Notwendigkeit statt aus programmatischer Geschlossenheit. Umstrittene Gesetzgebung zur Einschränkung von LGBTQ+-Rechten warf Fragen zum Schutz der Freiheitsrechte auf, während Justizreformen umkämpft blieben und nur schwach umgesetzt wurden.

Die wirtschaftliche Transformation zeigte ein gemischtes Bild. Bulgarien wies weiterhin eine niedrige Staatsverschuldung auf, doch fiskalische Risiken und politische Unsicherheit bremsten öffentliche und private Investitionen. Verzögerungen bei Anti-Korruptions- und Justizreformen veranlassten die Europäische Kommission, Wiederaufbaumittel zurückzuhalten, was die Reformdynamik schwächte. Inflationsdruck und haushaltspolitische Risiken verzögerten weiterhin den Beitritt zur Eurozone, der erst Anfang 2026 erfolgte.

Die staatliche Steuerungsfähigkeit war durch wiederkehrende Regierungszusammenbrüche und begrenzte Reformdurchsetzung belastet. Zwar schloss Bulgarien den Beitritt zum Schengen-Raum ab, doch innenpolitische Polarisierung und ungelöste Defizite im Rechtsstaat verhinderten eine wirksame Politikimplementation und die internationale Glaubwürdigkeit.

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