Innenpolitisch wurden vor dem Hintergrund der Parlamentswahlen im November 2019 und des Präsidentschaftswahlkampfs im August 2020 wirtschaftliche und politische Reformen von der Führung und dem Sicherheitsapparat blockiert. Außenpolitisch wurde Ende 2019 deutlich, dass der Balanceakt von Belarus zwischen dem Westen, China und Russland sein Potenzial erschöpft hatte.

Im Jahr 2020 sah sich die Regierung mit der COVID-19-Pandemie, einer sich verschlechternden sozioökonomischen Lage und Massenprotesten nach den manipulierten Präsidentschaftswahlen konfrontiert. Die starre vertikale Organisation der Staatsmacht, die in Belarus in den letzten 20 Jahren aufgebaut wurde, hat ihre Ineffizienz während der Krisen deutlich gezeigt.

Infolge strategischer Fehleinschätzungen im Zusammenhang mit der fast vollständigen Ausblendung der COVID-19-Pandemie und mit dem beispiellosen Einsatz staatlicher Gewalt gegen friedliche Proteste während des Präsidentschaftswahlkampfs 2020 sah sich Belarus Anfang 2021 mit der dramatischsten politischen Krise seiner Geschichte, einer wirtschaftlichen Rezession, einer gescheiterten Außenpolitik und einer Menschenrechtskatastrophe konfrontiert. Dies führte zu internationaler Isolation, wiederholten Sanktionen des Westens und einer erhöhten Anfälligkeit des Landes für russische Einmischung in innere Angelegenheiten.

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