Die Wahlen von 2023 markierten einen historischen Wendepunkt in Guatemalas politischer Landschaft. Bernardo Arévalo von der Semilla-Partei gewann die Präsidentschaftswahlen mit einem Programm gegen Korruption und für soziale Reformen. Sein Wahlsieg wurde zwar von der Generalstaatsanwaltschaft und konservativen Eliten angefochten, jedoch vom Verfassungsgericht bestätigt. Mit seinem Amtsantritt im Januar 2024 verband sich neue Hoffnung auf eine demokratische Erneuerung trotz tief verwurzelter Widerstände.
Strukturelle wirtschaftliche Herausforderungen bestehen fort. Die Regierung priorisierte Infrastruktur und Sozialprogramme zur Armutsbekämpfung und Unterstützung indigener Gemeinschaften, doch Fortschritte bei der wirtschaftlichen Diversifizierung und Verringerung der Ungleichheit bleiben begrenzt. Reformen werden durch fest verankerte Interessen und eine geschwächte internationale Zusammenarbeit behindert.
Die Regierungsführung wird durch ein gespaltenes Parlament und juristische Blockaden der Generalstaatsanwaltschaft erschwert, darunter mehrere Absetzungsversuche gegen Arévalo. Die Aussetzung des rechtlichen Status von Semilla als politischer Partei schränkte ihren parlamentarischen Einfluss ein, dennoch wurden Haushalt und Infrastrukturvorhaben vorangebracht. Der Rückzug ausländischer Unterstützung, darunter der von USAID, erschwert die Umsetzung von Justiz- und Antikorruptionsreformen.