Litauen durchlief eine politisch dynamische Phase mit Parlaments- und Präsidentschaftswahlen. Bis November 2024 regierte eine Mitte-rechts-Koalition unter Ingrida Šimonytė, anschließend übernahm eine Mitte-links-Koalition. Populistische Akteure gewannen an Sichtbarkeit, während die westliche Ausrichtung und die institutionelle Stabilität gewahrt blieben. Ein Spesenskandal auf kommunaler Ebene machte Defizite bei Transparenz und Rechenschaftspflicht deutlich.
Die wirtschaftliche Entwicklung blieb trotz externer Unsicherheiten robust. Die Wirtschaft wuchs weiter, die Staatsverschuldung blieb niedrig und die Inflation ging 2024 deutlich zurück. Finanzpolitische Maßnahmen, darunter eine Übergewinnsteuer auf Banken, fanden breite parlamentarische Unterstützung. Gleichzeitig bestanden strukturelle Herausforderungen wie sozioökonomische Ungleichheit und das Risiko einer langfristigen Wachstumsschwäche fort.
Die Regierungsführung wurde stark von sicherheitspolitischen Herausforderungen im Zusammenhang mit Russlands Krieg gegen die Ukraine geprägt. Die Verteidigungsausgaben wurden deutlich erhöht. Präsident Gitanas Nausėda stärkte Kontrollmechanismen durch die Blockade parteipolitischer Ministerernennungen. Ermittlungen zum Missbrauch kommunaler Mittel führten zu gesetzlichen Anpassungen und Strafverfahren.