Im Berichtszeitraum richtete sich die politische Entwicklung Marokkos unter König Mohammed VI. stärker auf internationale Reputation und nationale Prestigeprojekte als auf politische Öffnung oder inklusive Reformen. Fußball, als Katalysator für ein modernes und dynamisches Image ins Ausland,und die Westsahara fungierten als zentrale Instrumente staatlicher Symbolpolitik und dienten der Mobilisierung nationaler Einheit. Zugleich festigte die Monarchie ihre Kontrolle über Innen- und Außenpolitik, während Sicherheitsapparate und Geheimdienste an Einfluss gewannen.

Wirtschaftlich erzielte Marokko punktuelle Fortschritte bei Infrastrukturprojekten und der wirtschaftlichen Diversifizierung, insbesondere in den Bereichen erneuerbare Energien und Tourismus. Diese Entwicklungen blieben jedoch hinter dem Ziel eines inklusiven Wachstums zurück. Hohe Arbeitslosigkeit, insbesondere unter Jugendlichen, wachsende soziale Ungleichheit sowie steigende Preise bei stagnierenden Einkommen belasteten die Kaufkraft breiter Bevölkerungsschichten.

Die politische Führung setzt weiterhin auf einen stark top-down geprägten Regierungsstil. Die geringere öffentliche Präsenz des Königs verstärkte den Einfluss des inneren Machtzirkels und der Sicherheitsdienste auf politische Entscheidungsprozesse. Einzelne Maßnahmen wie die Begnadigung von Journalistinnen und Journalisten dienten primär der internationalen Imagepflege. Außenpolitisch blieb die Westsahara-Frage ein zentrales Mobilisierungsinstrument, während die Normalisierung der Beziehungen zu Israel innenpolitische Polarisierung vertiefte. 

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