Die von der Demokratischen Partei der Sozialisten (DPS) angeführte Regierungskoalition verlor bei den Parlamentswahlen 2020 ihre Mehrheit. Die neue Regierung, die im Dezember 2020 ihr Amt antrat, ist ideologisch heterogen und wird durch die Kohabitation mit dem bis 2023 amtierenden Präsidenten, dem DPS-Vorsitzenden Milo Djukanovic, auf die Probe gestellt werden.

In wirtschaftlicher Hinsicht haben sich die bereits bestehenden Probleme wie die hohe Staatsverschuldung und Haushaltsdefizite, die durch schlechte wirtschaftliche Entscheidungen und die Kreditaufnahme für große Investitionsprojekte verursacht wurden, durch die COVID-19-Pandemie weiter verschärft. Insbesondere die Tourismusindustrie Montenegros erlitt durch die Pandemie einen schweren Schlag.

Den Wahlen gingen ein längerer Boykott des Parlaments, ein erfolgloser Versuch einer Wahlreform und eine Blockade von Reformen und Institutionen voraus. Montenegro erlebt eine starke politische und soziale Polarisierung. Der wachsende Ethnonationalismus bedroht zunehmend das verfassungsmäßige Konzept eines multikulturellen, integrativen Staates. Der zunehmende politische Konservatismus und der Einfluss der Kirche stellen eine Bedrohung für den Säkularismus dar. Außerdem ist das Gesundheitssystem des Landes mit COVID-19 überfordert, und bis Ende Januar 2021 hatten die Impfungen noch nicht begonnen.

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