Ruanda wird weiterhin von der Rwandan Patriotic Front dominiert, die seit dem Ende des Genozids Politik, Gesellschaft und Wirtschaft kontrolliert. Präsident Paul Kagame sicherte sich bei der Präsidentschaftswahl im Juli 2024 nach offiziellen Zahlen der Regierung 99,18 % der Stimmen und eine weitere Amtszeit. Die politische Partizipation bleibt stark eingeschränkt, oppositionelle Parteien, unabhängige Medien sowie zivilgesellschaftliche Akteure verfügen über kaum Handlungsspielraum. Rechtliche und administrative Instrumente werden gezielt genutzt, um politische Meinungsäußerung zu begrenzen.
Nach dem wirtschaftlichen Einbruch infolge der COVID-19-Pandemie verzeichnete Ruanda wieder Wachstum, strukturelle Transformationen blieben jedoch begrenzt. Hohe Haushaltsdefizite, steigende Staatsverschuldung und ein kleiner formeller Sektor belasten die wirtschaftliche Entwicklung. Ein Großteil der Bevölkerung lebt von Subsistenzlandwirtschaft, während Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung hoch bleiben. Trotz marktwirtschaftlicher Rhetorik üben staatliche und parteinahe Akteure erheblichen Einfluss auf zentrale Wirtschaftsbereiche aus.
Die Regierungsführung ist durch stark zentralisierte Entscheidungsstrukturen und eine Verschlechterung der internationalen Zusammenarbeit geprägt. Ruandas Rolle im Osten der Demokratischen Republik Kongo belastet die Beziehungen zu wichtigen Partnern und führte zur Aussetzung von Entwicklungszusammenarbeit sowie zu Sanktionen. Politische Stabilität beruht weiterhin auf Kontrolle, nicht auf inklusiver Konsensbildung.