In Syrien hat der rasche Vormarsch der islamistischen Koalition Hay’at Tahrir al-Sham Ende 2024 einen tiefgreifenden politischen Umbruch ausgelöst und die Herrschaft von Baschar al-Assad beendet. Ahmad al-Sharaa übernahm im Januar 2025 das Amt des Übergangspräsidenten, löste das Parlament auf und setzte die Verfassung außer Kraft. Dennoch bleibt das Land stark fragmentiert. Die von kurdischen Kräften dominierten Syrischen Democratic Forces und die drusischen Gemeinschaften verfolgen weiterhin dezentralisierte Modelle, während anhaltende Vertreibung, unsichere Lage und ungelöste Fragen der Rechenschaftspflicht die politische Stabilisierung erschweren.
Der wirtschaftliche Zusammenbruch hält an: Mehr als 90 % der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, und zentrale Sektoren sind weitgehend zerstört. Die Übergangsregierung bekennt sich zu einer marktwirtschaftlichen Ausrichtung und wirbt um Investitionen aus der Region, doch der Wiederaufbaubedarf ist enorm. Die Sanierung des Energiesektors und umstrittene Reformen der Lehrpläne zeigen das Ausmaß der wirtschaftlichen Herausforderungen.
Die Regierungsführung bleibt schwer beeinträchtigt. Die Sicherheitslage wird durch Kämpfe zwischen der von der Türkei unterstützten Syrischen Nationalarmee, kurdisch geführten Kräften und verbliebenen Zellen der Organisation „Islamischer Staat“ untergraben. Verwaltungsreformen haben begonnen, doch die Übergangsjustiz kommt kaum voran. Fragilität im internationalen Umfeld und anhaltende territoriale Spannungen erschweren eine effektive Governance zusätzlich.