Die globale Erosion demokratischer und marktwirtschaftlicher Standards setzt sich fort. Autokratische Regime stellen mittlerweile eine deutliche Mehrheit der untersuchten Staaten. Rechtsstaatlichkeit, politische Freiheitsrechte und faire Wettbewerbsbedingungen werden weiter geschwächt. Zugleich bleibt eine umfassende wirtschaftliche Erholung nach Pandemie und Inflationsschub aus. Wachsende strukturelle und ökologische Belastungen erhöhen den Handlungsdruck, dem zahlreiche Regierungen mit weniger konsensorientierten und kooperativen Governance-Strategien begegnen.
Im Rückblick auf die vom BTI erfassten zwanzig Jahre Transformationsgeschichte haben die gesellschaftlichen Leitbilder von Demokratie und Marktwirtschaft immer weiter an Boden verloren. Mit dem vorrangigen Ziel, sich an der Macht zu halten, haben gewählte politische Eliten die graduelle Aushöhlung demokratischer Kerninstitutionen fortgesetzt, während der Repressionsgrad autoritärer Herrschaft weiter gestiegen ist. Elitenversagen und Machtmissbrauch, der Druck multipler Krisen und ein daraus resultierendes gesteigertes Sicherheitsbedürfnis sowie ein die Autokratien stabilisierendes internationales Umfeld tragen zur demokratischen Regression bei.
In der Folge hat das globale Verhältnis von Demokratien und Autokratien umgekehrt: waren im BTI 2006 noch 55 Prozent aller untersuchten Staaten Demokratien, so werden heute 56 Prozent der Staaten autokratisch regiert. Zwei Drittel dieser Autokratien sind hochgradig repressive Diktaturen oder zerfallende Staaten. Der Anteil harter Autokratien stieg mit 38% aller untersuchten Staaten auf ein neues Höchstniveau. Zwei Drittel der seit 2006 untersuchten Länder sind heute weniger demokratisch als vor 20 Jahren.