Albanien weist eine gemischte Erfolgsbilanz auf, die die Dualität zwischen schnellen institutionellen Veränderungen und dem realen Widerstand bei der Umsetzung zeigt: Während mehrere wichtige Reformen vorangetrieben wurden, sind viele Maßnahmen verzögert, behindert oder umgestaltet worden. Die Justizreform hat eine neue Justizarchitektur institutionalisiert und einen erheblichen Teil der Mitglieder des bestehenden Systems auf den Prüfstand gestellt.

Der Stand der Wirtschaftsreform ist weniger gut, vor allem wegen der negativen Auswirkungen des Erdbebens Ende 2019 und des Ausbruchs der Pandemie im Jahr 2020. Insbesondere haben sich die ohnehin schon niedrigen Steuereinnahmen weiter verringert, während die Staatsverschuldung ein Rekordhoch erreicht hat.

Die Europäische Union hat die Reformprozesse aufmerksam verfolgt. 2020 stimmte der Europäische Rat einstimmig für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit Albanien. Die Konsolidierung der Reformen erfordert den Aufbau von bürokratischem Fachwissen durch die meritokratische Auswahl und Beförderung von Staatsbeamten. Nur so kann Albanien das tief verwurzelte System der politischen Patronage, des Missbrauchs öffentlicher Ämter und der schwachen und gelenkten Institutionen durchbrechen.

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