Die politische Polarisierung verstärkte sich sowohl zwischen der Regierungspartei MAS und der rechten Opposition als auch innerhalb der Regierungspartei selbst, wo Parteiflügel um Präsident Luis Arce und um Ex-Präsident Evo Morales zunehmend um Einfluss konkurrierten. Die Gewaltenteilung wurde erheblich geschwächt, insbesondere im Bereich der justiziellen Unabhängigkeit. Unterschiedliche Bewertungen der Wahlen 2019 spalten die Gesellschaft weiterhin. Der gescheiterte Putschversuch im Juni 2024 unter General Juan José Zúñiga vertiefte das Misstrauen, nachdem dieser behauptet hatte, der Vorfall sei mit Präsident Arce abgestimmt gewesen. 

Bolivien befindet sich weiterhin in einer schweren Wirtschaftskrise, geprägt von rückläufigen Erdgasexporten, schwindenden internationalen Reserven sowie dauerhaften Haushalts- und Leistungsbilanzdefiziten. Das Vorkrisenniveau des Bruttoinlandsprodukts wurde erst Anfang 2023 wieder erreicht. Sinkende Staatseinnahmen aus dem Gassektor lösten eine Zahlungsbilanzkrise aus, die zu Treibstoff- und Devisenknappheit, steigender Inflation und wachsender Auslandsverschuldung führte und Zweifel an der Tragfähigkeit des entwicklungsorientierten Wirtschaftsmodells nähren. 

Die Governance wird durch Polarisierung und institutionelle Fragmentierung eingeschränkt. Die wirtschaftliche Schwäche begrenzt zusätzlich die Fähigkeit, kohärente Reformen umzusetzen. 

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