Äthiopien ist unter Premierminister Abiy Ahmed weiterhin von bewaffneten Konflikten und politischer Repression geprägt. Zwar verhinderte ein Friedensabkommen eine Rückkehr zu einem umfassenden Krieg im Norden des Landes, doch anhaltende Aufstände in den Regionen Amhara und Oromia verschärften ethnische Spannungen und die allgemeine Instabilität. Die Regierung schränkte die politische Partizipation zunehmend ein und ging gegen Oppositionelle, Medien sowie zivilgesellschaftliche Organisationen vor. Sicherheitskräfte werden schwerer Menschenrechtsverletzungen an politischen Gegnern beschuldigt.

Der wirtschaftliche Fortschritt wurde durch politische Instabilität und wachsenden finanziellen Druck begrenzt. Nach dem Zahlungsausfall auf eine internationale Staatsanleihe im Jahr 2023 nahm Äthiopien Umschuldungsverhandlungen mit multilateralen und bilateralen Gläubigern auf. Währungsfreigabe und Schuldenerleichterungen sorgten nur für begrenzte Stabilisierung. Zugleich verfolgte die Regierung eine stärkere Förderung des Privatsektors, öffnete den Bankensektor für ausländische Banken und baute die Energiekapazitäten aus.

Während wirtschaftliche Liberalisierung und internationale Finanzkooperation vorangetrieben wurden, scheiterten Versuche zur Lösung interner Konflikte und zur Förderung eines inklusiven politischen Dialogs. Der Nationale Dialogprozess blieb umstritten und wirkungslos, ebenso wie das fragile Friedensabkommen für Nordäthiopien.

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