Haitis politischer Übergang blieb fragil. Nach dem Anstieg der Gewalt im Februar 2024 führten regionale Verhandlungen zu einem neuen Übergangsrahmen und zum Rücktritt des geschäftsführenden Premierministers Ariel Henry. Im April wurde ein Übergangspräsidialrat eingesetzt, im Juni folgte die Ernennung von Premierminister Gary Conille. Korruptionsvorwürfe und interne Spannungen führten jedoch im November zu Conilles Rücktritt, woraufhin der Rat Alix Didier Fils-Aimé ernannte – ein Zeichen für anhaltende Instabilität und Fragmentierung. 

Die eskalierende Unsicherheit verschärfte die wirtschaftliche Krise. Haiti verzeichnete das sechste Jahr in Folge negatives Wachstum; die Inflation, die zwar sank, belastete Haushaltsbudgets jedoch weiter stark. Trotz stabilisierter Währung und leicht verbesserter Fiskalpolitik bleibt die Lage kritisch. Schwache Infrastruktur und weitverbreitete Vertreibung trüben die Aussichten auf Erholung.

Die Regierungsführung blieb angesichts der massiven Gewalt äußerst schwach. Bewaffnete Gruppen kontrollierten den Großteil von Port-au-Prince, was zu massiver Vertreibung und einer schweren humanitären Krise führte. Die von der UNO mandatierte Sicherheitsmission unter kenianischer Führung wurde eigenen Ansprüchen nicht gerecht, und internationale Sanktionen zeigten bislang nur begrenzte Effekte.

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