Lettland erlebte nach den Parlamentswahlen 2022 politische Kontinuität, da die Mitte-Rechts Partei New Unity das Amt der Ministerpräsidentin behauptete. Die politische Stabilität wurde jedoch durch einen Korruptionsskandal erschüttert, der die Karriere des ehemaligen Ministerpräsidenten Krišjānis Kariņš beendete. Seine Nachfolgerin Evika Siliņa führt eine fragmentierte Dreiparteienkoalition, deren interne Konflikte die politische Koordination und Kohärenz einschränken, auch wenn die demokratischen Institutionen funktionsfähig bleiben.

Die wirtschaftliche Entwicklung stagnierte infolge verzögerter ausländischer Direktinvestitionen und schwächerer Exporte. Große Infrastrukturprojekte und staatliche Unternehmen, insbesondere Rail Baltica und die nationale Fluggesellschaft airBaltic, führten zu erheblichen fiskalischen Belastungen. Der Stopp russischer Gas- und Ölimporte ließ die Energiepreise steigen und belastete Haushalte und Unternehmen, auch wenn sich die Inflation bis 2024 abschwächte. Im Vergleich blieb Lettland beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf hinter den baltischen Nachbarstaaten zurück.

Die Sicherheitsrisiken infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine führten zu höheren Verteidigungsausgaben und verschärften haushaltspolitische Uneinigkeiten. Die Koalitionsinstabilität begrenzte die strategische Steuerungsfähigkeit der Regierung, während Lettland fest in die europäische und transatlantische Zusammenarbeit eingebunden blieb.

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