In Serbien haben sich die Wahlbedingungen, die Rechtsstaatlichkeit und die Medienfreiheit deutlich verschlechtert und die politische Polarisierung hat zugenommen. Präsident Aleksandar Vučić und seine Serbische Fortschrittspartei (SNS) dominieren das politische System und kontrollieren faktisch Regierung, Parlament und Justiz – trotz der überwiegend repräsentativen verfassungsrechtlichen Rolle des Präsidenten. Die Manipulation der Wahlen durch das Regime hat sich verschärft, was zu Boykotten durch die Opposition geführt hat. Die parlamentarische Kontrolle ist schwach, da sie im Sinne des Präsidenten handelt, während die Opposition zersplittert bleibt und unter ständigem Druck steht. Zivilgesellschaft und unabhängige Medien sind systematischen Diffamierungen, strategischen Klagen und Überwachung ausgesetzt. Die Massenproteste 2024–2025 wurden von der Regierung als ausländisch gesteuerte Destabilisierungsversuche delegitimiert.
Nach schweren externen Schocks stabilisierte sich die Wirtschaft, getragen vor allem durch staatliche Ausgaben. Die Inflation ging bis 2024 deutlich zurück, die Staatsverschuldung sank, und das Wachstum zog wieder an. Gleichzeitig bleiben Armutsrisiko und Ungleichheit im europäischen Vergleich sehr hoch, der staatliche Einfluss auf die Wirtschaft ist erheblich, und strukturelle soziale Disparitäten bestehen fort.
Die Regierungsführung ist stark zentralisiert und personalisiert. Politische Steuerung dient primär der Machtsicherung und die internationale Zusammenarbeit stagniert. Der EU-Beitrittsprozess kommt nicht voran, während die wirtschaftlichen Beziehungen zu China an Bedeutung gewinnen. Es gibt keinen politischen Willen, Korruption strafrechtlich zu verfolgen, da in der Regierung und der öffentlichen Verwaltung eine Kultur der Straffreiheit vorherrscht.