Freie und faire Wahlen im Jahr 2019 und ein reibungsloser außerplanmäßiger Übergang im Präsidentenamt haben die Belastbarkeit der tunesischen Demokratie unter Beweis gestellt. Doch nach dem Ende des Bewertungszeitraums im Januar 2021 untergruben die Notstandserklärung von Präsident Kais Saied im Sommer 2021 und die anschließende Aushöhlung der Gewaltenteilung und der exekutiven Rechenschaftspflicht die demokratischen Institutionen.

Das tunesische Wirtschaftsmodell hat sich kaum verändert und erfüllt nicht die Bedürfnisse vieler Tunesier:innen. Nach einem Jahrzehnt effektiver wirtschaftlicher Stagnation ist die durch COVID-19 ausgelöste Rezession der vermutlich tiefste wirtschaftliche Einbruch in der Geschichte des Landes seit seiner Unabhängigkeit.

Im Vergleich zu vielen europäischen Ländern gelang es den tunesischen Behörden Anfang 2020 vergleichsweise gut, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Ein professioneller öffentlicher Dienst und eine kompetente medizinische Verwaltung erkannten die Bedrohung frühzeitig und reagierten schnell. In anderen Bereichen sind die Defizite der Regierungsführung eklatant, insbesondere bei der Konsensbildung als Voraussetzung für dringend notwendige Reformen.

Gesamten Länderbericht anzeigen