In Tunesien hat Präsident Kais Saied seine personalistisch ausgerichtete Herrschaft weiter gefestigt und den institutionellen Wandel seit 2021 vollendet. Die Kommunalwahlen fanden nach der Auflösung aller gewählten Räte statt, wurden von der Opposition boykottiert und es gab eine sehr geringe Beteiligung. Die Präsidentschaftswahl war durch die Ausschaltung Oppositioneller, umfassende Repressionen und mehrere Festnahmen geprägt, wodurch der Präsident in einem stark eingeschränkten politischen Umfeld wiedergewählt wurde. Bürgerrechte, richterliche Unabhängigkeit und Medienfreiheit verschlechterten sich weiter.

Die wirtschaftliche Lage blieb angespannt. Sehr langsames Wachstum, hohe Inflation und Rekordschulden belasteten das Land. Die Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds wurden ausgesetzt und gesetzliche Änderungen ermöglichten der Zentralbank, den Staat direkt zu finanzieren. Trotz geringer Verbesserungen 2024 blieben die strukturellen Probleme erheblich.

Die Regierungsführung war schwach. Häufige Personalwechsel, widersprüchliche Entscheidungen und fehlende Kontrollmechanismen erschwerten effektive Politik. Die internationale Kooperation litt unter Saieds Kampagne gegen Migrantinnen und Migranten, die deutliche Kritik auslöste. Tunesien suchte Unterstützung bei Golfstaaten, während die Europäische Union sicherheitspolitische Zusammenarbeit zur Eindämmung irregulärer Migration vertiefte. 

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