In der Türkei hat sich die Macht des Präsidenten weiter gefestigt, obwohl die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2023 die kompetitivsten der jüngeren Zeit waren. Zugleich waren sie jedoch durch den umfangreichen Einsatz staatlicher Ressourcen, wahlbezogene Ausgaben und eine deutliche Einflussnahme der Regierung auf Institutionen und Medien geprägt. Oppositionspolitikerinnen und -politiker standen unter juristischem Druck, und die Festnahmen zahlreicher gewählter Bürgermeister nach den deutlichen Oppositionsgewinnen bei den Kommunalwahlen 2024 zeigten die Grenzen politischen Pluralismus auf. Das stark zentralisierte Präsidialsystem und die eingeschränkte Unabhängigkeit der Justiz verstärken diese Entwicklungen.

Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt. Anhaltende Inflation, Währungsverfall und hohe Ausgaben vor den Wahlen belasteten Haushalt und Bevölkerung. Die nach den Wahlen verschärfte Geldpolitik verschlimmerte die Lebenshaltungskosten, während strukturelle Defizite, Korruption und hohe Auslandsschulden die wirtschaftliche Erholung hemmen. Das Erdbeben von 2023 legte erhebliche Mängel in Planung und Regulierung offen.

In der Regierungsführung bestehen weiterhin große Herausforderungen. Der neue kurdische Dialogprozess wirkt vor allem politisch-taktisch motiviert. Verbesserte Beziehungen zu Golfstaaten eröffnen wirtschaftliche Spielräume, während die Entwicklungen in Syrien und dem Mittleren Osten die vorsichtige und pragmatische regionale Rolle der Türkei prägen. 

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