Politisch zeigt sich die Region widerstandsfähig gegenüber multiplen Krisen, bleibt jedoch tief gespalten: Zwölf Autokratien stehen zehn Demokratien gegenüber. Autoritäre Verhärtungen in Afghanistan, Kambodscha, Myanmar und Pakistan kontrastieren mit moderaten Fortschritten in Malaysia und Sri Lanka. In Indonesien leitete Ex-Präsident Jokowi durch dynastische Machtpolitik und Verfassungsmanipulation den Übergang von der Demokratie zu einer zunehmend autoritären Herrschaft ein. In Bangladesch führte ein blutig niedergeschlagener Studentenaufstand 2024 zum Sturz des autoritären Regimes von Premierministerin Sheikh Hasina und leitete unter einer Übergangsregierung demokratische Reformen ein. Südkorea musste unter dem inzwischen seines Amtes enthobenen Präsidenten Yoon Suk-yeol nach einem kurzfristigen Ausnahmezustand eine demokratiebedrohende Krise bewältigen und hat – ebenso wie das stark von äußeren Bedrohungen unter Druck stehende Taiwan – dennoch bemerkenswerte demokratische Resilienz bewiesen.
Wirtschaftlich hat sich die Region von den Krisenjahren erholt, doch die Ungleichgewichte nehmen zu und soziale Sicherungssysteme werden nur selektiv ausgebaut. Viele Staaten leiden unter hoher Vulnerabilität gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels, steigender Verschuldung und der Neuordnung globaler Lieferketten. Indien, Vietnam und Bangladesch zählen zu den dynamischsten Wachstumsökonomien, während andere Volkswirtschaften stagnieren. Die zunehmende Aufsplitterung in unterschiedliche Wachstumsdynamiken, die sich nicht allein durch geografische Lage oder Rohstoffausstattung erklären lässt, verdeutlicht den engen Zusammenhang zwischen politischer und wirtschaftlicher Transformation – mit Ausnahmen wie Singapur, China und Thailand, die trotz autoritärer Strukturen wirtschaftlich erfolgreich bleiben.
Auch die Governance-Qualitäten gehen weit auseinander. Während Taiwan, Südkorea, Bhutan und Timor-Leste durch hohe Steuerungsfähigkeit und Politikkoordination überzeugen, zeigen Nordkorea und Myanmar eine schwache Governance, und im Falle Afghanistans muss erstmals von einer gescheiterten Regierungsführung gesprochen werden. Bangladesch verzeichnete – ebenso wie Laos, Malaysia und Sri Lanka – deutliche Verbesserungen, bleibt jedoch politisch fragil.
Aurel Croissant
Regionalkoordinator Asien und Ozeanien
Christoph Trinn
Regionalkoordinator Asien und Ozeanien