Gestützt durch umfangreiche Ausgaben im Vorfeld der Wahl, wurde Algeriens Präsident Abdelmadjid Tebboune im September 2024 mit einem deutlich größeren Stimmenanteil als noch 2019 wiedergewählt. Eine geringe Wahlbeteiligung, die Fragmentierung der Opposition sowie Unklarheiten bei der Bekanntgabe der Wahlergebnisse warfen Zweifel an der Integrität des Wahlprozesses auf. Die Pressefreiheit blieb eingeschränkt, was sich unter anderem in der Verhaftung unabhängiger Journalisten und Journalistinnen zeigte. Die Ernennung des Armeechefs in eine zivile Verteidigungsfunktion verwischten die Grenzen zwischen Militär und Staat weiter.
Trotz begrenzter Diversifizierungsbemühungen bleibt Algeriens Wirtschaft stark abhängig von Kohlenwasserstoffen. Hohe Energiepreise stabilisierten die öffentlichen Finanzen und ermöglichten umfangreiche Sozialausgaben, darunter Lohnerhöhungen und Steuererleichterungen. Gleichzeitig belasteten Inflation, Haushaltsdefizite, der informelle Sektor und bürokratische Hürden die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.
Die Governance-Leistung war durch fragmentierte Politikkoordination und verfestigte Partikularinteressen geprägt. Initiativen zur Digitalisierung staatlicher Verwaltung sowie Reformen zur Förderung der Selbstständigkeit zielten auf effizientere Verwaltungsabläufe und besseren Marktzugang ab, blieben in der Umsetzung jedoch langsam. Trotz angespannter Beziehungen zu zentralen bilateralen Partnern und veränderten Machtverhältnissen im Sahel, beteiligte sich Algerien an multilateraler Zusammenarbeit und sicherheitspolitischem Dialog.