Präsidentin Dina Boluartes Regierung hat nur mühsam überdauert – inmitten öffentlicher Unzufriedenheit, wiederkehrender Rücktrittsforderungen und eines feindseligen Kongresses. Eine dominante populistisch-konservative Mehrheit hat die geschwächte Exekutive an den Rand gedrängt und das Kräfteverhältnis neu geordnet. Unabhängige Richter und Staatsanwälte haben Resilienz gezeigt, während Teile der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft versucht haben, einer weiteren Verschlechterung entgegenzuwirken.
Trotz einzelner Stabilitätsanzeichen hat sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert. Steigende Staatsverschuldung und ein wachsendes Haushaltsdefizit belasten die mittelfristige Stabilität. Der zunehmende Einfluss informeller und illegaler Sektoren, vor allem im Bergbau, hat vormalige Regulierungserfolge rückgängig gemacht.
Die Periode war von einem deutlichen Bruch mit dem technokratischen liberalen Konsens geprägt. Gegenreformen, konservative Dominanz und der wachsende Einfluss informeller Interessen gehen mit schwacher und instabiler Regierungsführung einher. Ein zersplittertes und an Partikularinteressen orientiertes Parlament mindert legislative Effektivität und verstärkt das öffentliche Misstrauen.