Der Südsudan befindet sich weiterhin in einem fragilen Gleichgewicht zwischen Krieg und Frieden. Zwar hat das Friedensabkommen eine erneute landesweite Eskalation verhindert, doch anhaltende lokale Gewalt durch bewaffnete Gruppen geht weiterhin mit schweren Übergriffen gegen die Zivilbevölkerung einher. Die Umsetzung des Friedensabkommens zeigt nur begrenzte Fortschritte, etwa durch ein amtierendes Parlament und leichte Verbesserungen der administrativen Leistungsfähigkeit. Die landesweiten Wahlen wurden erneut verschoben und sind nun für Dezember 2026 vorgesehen.
Die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich infolge externer Schocks und konfliktbedingter Einflüsse. Der Bürgerkrieg im Sudan unterbrach die für den Südsudan zentrale Ölpipeline, was zu einem deutlichen Rückgang der Öleinnahmen führte und den fiskalpolitischen Handlungsspielraum stark einschränkte. In Kombination mit anhaltender Gewalt und wiederkehrenden Überschwemmungen verschärfte sich dadurch die humanitäre Krise, während großflächige Binnenvertreibung und Flüchtlingsbewegungen andauerten.
Die Regierungsführung bleibt unter extremen strukturellen Belastungen schwach. Die Konzentration politischer, wirtschaftlicher und militärischer Macht behindert weiterhin Rechenschaftspflicht und wirksame Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung. Die Steuerungsfähigkeit der Regierung ist begrenzt, da zentrale Elemente des Friedensabkommens nur selektiv umgesetzt werden und wesentliche Reformen stagnieren. Die Beziehungen zu internationalen Partnern bleiben angespannt, während regionale Konflikte die innenpolitische Stabilität und die Umsetzung staatlicher Politik zunehmend beeinträchtigen.